|
Erstmals eine Frau an der
Spitze des SV Ehrstädt
Nicole Last steigt zur 1. Vorsitzenden auf – Standing Ovations für neuen
Ehrenvorsitzenden Berthold Graf
Sinsheim-Ehrstädt (hk) Neuwahlen,
Wirtschaftskrise, Trainerwechsel und die Stellungnahme des ehemaligen
Vorsitzenden zu Unwahrheiten, die im Fußballkreis Sinsheim kursieren
bestimmten die jüngste Mitgliederversammlung des SV Ehrstädt. Knapp zwei
Stunden dauerte die diesjährige Versammlung, die einiges an Diskussionsstoff
bot, aber dennoch recht harmonisch verlief. Souverän meisterte dabei die
neue Vorsitzende Nicole Last die Diskussionsführung, bei der einige
Mitglieder „in die Tiefe der Materie einstiegen“.
Eine große Herausforderung hatte die bisherige 2. Vorsitzende im letzten
Jahr übernommen, nachdem Berthold Graf, der 25 Jahre an vorderster Front
tätig war, sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte und kein Nachfolger für
den Vorsitz gefunden wurde. In ihrem ersten Jahr an der Spitze des SVE
musste Nicole Last gleich „viele nicht einfache Entscheidungen treffen“. Ein
großes Thema im Verein war über die Winterpause die Bekanntgabe, den Vertrag
mit den beiden Trainern Jens Hohmann und Daniel Kreuzwieser für die kommende
Verbandsrunde nicht mehr zu verlängern. „Im Spielausschuss wurde lange das
Für und Wider für den Trainerwechsel diskutiert und neben der sportlichen
auch die finanzielle Seite beleuchtet“, so die 2. Vorsitzende. „Die
mehrheitliche Entscheidung im Spielausschuss haben wir uns nicht leicht
gemacht“, stellte Last klar und wünschte sich, dass die Spieler mit ihren
beiden Trainern trotzdem eine ordentliche Rückrunde spielen und vielleicht
der derzeitige 4. Tabellenplatz in der Kreisklasse A noch „getoppt“ werden
kann.
„Wenn man schlechte Karten hat, muss man gleich damit raus!“ bemerkte
Kassiererin Regina Rebel und führte aus, dass die derzeitige
Wirtschaftskrise auch beim SV Ehrstädt nicht spurlos vorübergegangen ist.
Geringere Einnahmen aus dem Wirtschaftsbetrieb und den Vereinsfesten und
weniger Spenden von Privatpersonen reißen ein großes Loch in die
Vereinskasse. Obwohl die Mitgliedsbeiträge stabil waren und auch die bisher
wenigsten Kosten im Fußball-Spielbetrieb anfielen, erwirtschaftete man ein
„sattes Minus“. „Noch so ein Jahr dann können wir unseren Verein
dichtmachen!“ rief die langjährige Schatzmeisterin den Mitgliedern ins
Gewissen, sich mehr am Vereinsgeschehen zu beteiligen. Dass es dennoch mit
den Finanzen aufwärts geht zeigte die tolle Faschingsveranstaltung, die
wieder einen „satten Gewinn“ in die Vereinskasse spülte.
„Geschockt und sprachlos“ vernahm Berthold Graf die Berichte zum
Kassenbericht und stellte fest: „Das kann nicht sein!“ Graf führte aus, dass
in seiner 25jährigen Amtszeit noch nie ein Minus eingefahren wurde
„höchstens einmal eine schwarze Null!“ Zu schaffen macht dem
stellvertretenden Kreisvorsitzenden allerdings derzeit das
„Spießrutenlaufen“ im Fußballkreis. „Der Bertl hat ein Chaos beim SV
Ehrstädt hinterlassen“, heißt es da. Neben der angeblich zu teuren
Trainerverpflichtung wird ihm auch vorgeworfen, hohe Kosten im Verfahren zur
Rechteverletzung für die Nutzung des Namens „Ballermann“ verursacht zu
haben. Graf wehrte sich gegen diese Vorwürfe, die angeblich aus Reihen der
Vorstandschaft stammen. „Ich wurde mir nie herausnehmen, etwas Negatives
über den Bertl zu sagen“, stellte die Vereinschefin klar und schlichtete
wieder die Wogen.
„Warum musste der Trainer gehen?“ „Was wollen wir noch mehr an Erfolg, wenn
wir auf Platz 4 der Tabelle stehen die Trainer entlassen?“ „Warum wurde die
Mannschaft nicht wegen der Trainerentlassung befragt?“ Diese Fragen
beschäftigten die Mitglieder sehr, weshalb eine rege Diskussion erfolgte.
„Die Trainer wurden nicht entlassen, sondern die Verträge wurden nicht mehr
verlängert“, erläuterte Spielausschussmitglied Dennis Boppel. Die
Vorsitzende fügte an, dass der Spielausschuss andere Perspektiven für die
neue Runde in den Vordergrund stellte und künftig keinen Spielertrainer mehr
wünschte, sondern einen Trainer, der von der Außenlinie in die Mannschaft
eingreifen kann. Mit der Trainer-Neuverpflichtung spart der SV Ehrstädt auch
einige tausend Euro, was natürlich mit eine Rolle bei der Entscheidung
spielte.
Auf eine gut funktionierende Jugendarbeit blickten die Betreuer der Bambini
und F-Jugend, Daniela Ohk und Heiko Lehnert, und für die E- und
D-Jugendlichen die Betreuer Thomas Kuczynski und Harry Hack zurück. Immerhin
werden Woche für Woche 37 Kinder und Jugendliche beim SV Ehrstädt an das
Fußballspielen herangeführt. Im Bereich des Breitensports betreuen Jutta
Burkhardt und Britta Töppler 32 Kinder und Jugendliche beim Eltern- und
Kindturnen und beim Aerobic und Tanzen. 24 Frauen im Alter zwischen 16 und
57 Jahren, darunter viele Töchter und Mütter, trainieren wöchentlich bei der
Damengymnastikgruppe. Die Alten Herren dagegen haben größte Probleme, eine
schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen, so dass keine Spiele im
letzten Jahr stattgefunden haben. Die Volleyballer des Vereins sind dagegen
„wunschlos glücklich“.
Bei den turnusgemäßen Wahlen wurde mit Nicole Last dann auch erstmals eine
Frau an die Spitze des SV Ehrstädt gewählt. Kommissarisch hatte sie sich ja
schon ein Jahr in diese Funkton einarbeiten können. Ihr zur Seite steht
künftig Thomas Kuczynski, der zum 2. Vorsitzenden gewählt wurde. Neue
Schriftführerin des Vereins ist Tamara Seitz, die das Amt von Ina Bender
übernimmt. Die Finanzen bleiben in den bewährten Händen von Regina Rebel.
Neuer Jugendleiter ist Harry Hack, der sich zusammen mit Thilo Last als
Stellvertreter um die Jugendarbeit beim SVE kümmert. In den Spielausschuss
wurden Thomas Kuczynski, Dennis Boppel, Thilo Last, Jörg Bernhard und
Dominik Kettenring gewählt. Dem Festausschuss gehören Wolfgang Eckert,
Daniela Ohk, Ralf Rebel und Christian Hacker an. Den Wirtschaftsdienst
übernehmen Wolfgang Eckert, Ralf Rebel, Rico und Kai Huber. Kassenprüfer
bleiben weiterhin Frank Wintterle und Harry Hack. Als Platzkassier fungieren
Udo Baumbusch und Martin Stähle.
Dem geschäftsführenden Vorstand gehört künftig auch der
Spielausschussvorsitzende an. Dafür weicht der Ehrenvorsitzende, der in den
erweiterten Vorstand zurückgestuft wurde. Das ergab die mehrheitliche
Zustimmung zur Satzungsänderung.
Zum Schluss der Versammlung wurde auf Vorschlag eines Mitglieds Berthold
Graf einstimmig zum neuen Ehrenvorsitzenden des SV Ehrstädt gewählt.
Standing Ovations der Mitglieder erhielt der langjährige Vorsitzende, der
sich mit seinem unermüdlichen Einsatz für seinen SVE diese Auszeichnung mehr
als verdient hat. Die Ehrenurkunde und eine entsprechende Laudatio wird Graf
bei entsprechendem Anlass erhalten.
[zurück] |