Freitag, 19. März 2010
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Erstmals eine Frau an der Spitze des SV Ehrstädt
Nicole Last steigt zur 1. Vorsitzenden auf – Standing Ovations für neuen Ehrenvorsitzenden Berthold Graf


Sinsheim-Ehrstädt
(hk) Neuwahlen, Wirtschaftskrise, Trainerwechsel und die Stellungnahme des ehemaligen Vorsitzenden zu Unwahrheiten, die im Fußballkreis Sinsheim kursieren bestimmten die jüngste Mitgliederversammlung des SV Ehrstädt. Knapp zwei Stunden dauerte die diesjährige Versammlung, die einiges an Diskussionsstoff bot, aber dennoch recht harmonisch verlief. Souverän meisterte dabei die neue Vorsitzende Nicole Last die Diskussionsführung, bei der einige Mitglieder „in die Tiefe der Materie einstiegen“.

Eine große Herausforderung hatte die bisherige 2. Vorsitzende im letzten Jahr übernommen, nachdem Berthold Graf, der 25 Jahre an vorderster Front tätig war, sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte und kein Nachfolger für den Vorsitz gefunden wurde. In ihrem ersten Jahr an der Spitze des SVE musste Nicole Last gleich „viele nicht einfache Entscheidungen treffen“. Ein großes Thema im Verein war über die Winterpause die Bekanntgabe, den Vertrag mit den beiden Trainern Jens Hohmann und Daniel Kreuzwieser für die kommende Verbandsrunde nicht mehr zu verlängern. „Im Spielausschuss wurde lange das Für und Wider für den Trainerwechsel diskutiert und neben der sportlichen auch die finanzielle Seite beleuchtet“, so die 2. Vorsitzende. „Die mehrheitliche Entscheidung im Spielausschuss haben wir uns nicht leicht gemacht“, stellte Last klar und wünschte sich, dass die Spieler mit ihren beiden Trainern trotzdem eine ordentliche Rückrunde spielen und vielleicht der derzeitige 4. Tabellenplatz in der Kreisklasse A noch „getoppt“ werden kann.
„Wenn man schlechte Karten hat, muss man gleich damit raus!“ bemerkte Kassiererin Regina Rebel und führte aus, dass die derzeitige Wirtschaftskrise auch beim SV Ehrstädt nicht spurlos vorübergegangen ist. Geringere Einnahmen aus dem Wirtschaftsbetrieb und den Vereinsfesten und weniger Spenden von Privatpersonen reißen ein großes Loch in die Vereinskasse. Obwohl die Mitgliedsbeiträge stabil waren und auch die bisher wenigsten Kosten im Fußball-Spielbetrieb anfielen, erwirtschaftete man ein „sattes Minus“. „Noch so ein Jahr dann können wir unseren Verein dichtmachen!“ rief die langjährige Schatzmeisterin den Mitgliedern ins Gewissen, sich mehr am Vereinsgeschehen zu beteiligen. Dass es dennoch mit den Finanzen aufwärts geht zeigte die tolle Faschingsveranstaltung, die wieder einen „satten Gewinn“ in die Vereinskasse spülte.
„Geschockt und sprachlos“ vernahm Berthold Graf die Berichte zum Kassenbericht und stellte fest: „Das kann nicht sein!“ Graf führte aus, dass in seiner 25jährigen Amtszeit noch nie ein Minus eingefahren wurde „höchstens einmal eine schwarze Null!“ Zu schaffen macht dem stellvertretenden Kreisvorsitzenden allerdings derzeit das „Spießrutenlaufen“ im Fußballkreis. „Der Bertl hat ein Chaos beim SV Ehrstädt hinterlassen“, heißt es da. Neben der angeblich zu teuren Trainerverpflichtung wird ihm auch vorgeworfen, hohe Kosten im Verfahren zur Rechteverletzung für die Nutzung des Namens „Ballermann“ verursacht zu haben. Graf wehrte sich gegen diese Vorwürfe, die angeblich aus Reihen der Vorstandschaft stammen. „Ich wurde mir nie herausnehmen, etwas Negatives über den Bertl zu sagen“, stellte die Vereinschefin klar und schlichtete wieder die Wogen.
„Warum musste der Trainer gehen?“ „Was wollen wir noch mehr an Erfolg, wenn wir auf Platz 4 der Tabelle stehen die Trainer entlassen?“ „Warum wurde die Mannschaft nicht wegen der Trainerentlassung befragt?“ Diese Fragen beschäftigten die Mitglieder sehr, weshalb eine rege Diskussion erfolgte. „Die Trainer wurden nicht entlassen, sondern die Verträge wurden nicht mehr verlängert“, erläuterte Spielausschussmitglied Dennis Boppel. Die Vorsitzende fügte an, dass der Spielausschuss andere Perspektiven für die neue Runde in den Vordergrund stellte und künftig keinen Spielertrainer mehr wünschte, sondern einen Trainer, der von der Außenlinie in die Mannschaft eingreifen kann. Mit der Trainer-Neuverpflichtung spart der SV Ehrstädt auch einige tausend Euro, was natürlich mit eine Rolle bei der Entscheidung spielte.
Auf eine gut funktionierende Jugendarbeit blickten die Betreuer der Bambini und F-Jugend, Daniela Ohk und Heiko Lehnert, und für die E- und D-Jugendlichen die Betreuer Thomas Kuczynski und Harry Hack zurück. Immerhin werden Woche für Woche 37 Kinder und Jugendliche beim SV Ehrstädt an das Fußballspielen herangeführt. Im Bereich des Breitensports betreuen Jutta Burkhardt und Britta Töppler 32 Kinder und Jugendliche beim Eltern- und Kindturnen und beim Aerobic und Tanzen. 24 Frauen im Alter zwischen 16 und 57 Jahren, darunter viele Töchter und Mütter, trainieren wöchentlich bei der Damengymnastikgruppe. Die Alten Herren dagegen haben größte Probleme, eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen, so dass keine Spiele im letzten Jahr stattgefunden haben. Die Volleyballer des Vereins sind dagegen „wunschlos glücklich“.
Bei den turnusgemäßen Wahlen wurde mit Nicole Last dann auch erstmals eine Frau an die Spitze des SV Ehrstädt gewählt. Kommissarisch hatte sie sich ja schon ein Jahr in diese Funkton einarbeiten können. Ihr zur Seite steht künftig Thomas Kuczynski, der zum 2. Vorsitzenden gewählt wurde. Neue Schriftführerin des Vereins ist Tamara Seitz, die das Amt von Ina Bender übernimmt. Die Finanzen bleiben in den bewährten Händen von Regina Rebel. Neuer Jugendleiter ist Harry Hack, der sich zusammen mit Thilo Last als Stellvertreter um die Jugendarbeit beim SVE kümmert. In den Spielausschuss wurden Thomas Kuczynski, Dennis Boppel, Thilo Last, Jörg Bernhard und Dominik Kettenring gewählt. Dem Festausschuss gehören Wolfgang Eckert, Daniela Ohk, Ralf Rebel und Christian Hacker an. Den Wirtschaftsdienst übernehmen Wolfgang Eckert, Ralf Rebel, Rico und Kai Huber. Kassenprüfer bleiben weiterhin Frank Wintterle und Harry Hack. Als Platzkassier fungieren Udo Baumbusch und Martin Stähle.
Dem geschäftsführenden Vorstand gehört künftig auch der Spielausschussvorsitzende an. Dafür weicht der Ehrenvorsitzende, der in den erweiterten Vorstand zurückgestuft wurde. Das ergab die mehrheitliche Zustimmung zur Satzungsänderung.
Zum Schluss der Versammlung wurde auf Vorschlag eines Mitglieds Berthold Graf einstimmig zum neuen Ehrenvorsitzenden des SV Ehrstädt gewählt. Standing Ovations der Mitglieder erhielt der langjährige Vorsitzende, der sich mit seinem unermüdlichen Einsatz für seinen SVE diese Auszeichnung mehr als verdient hat. Die Ehrenurkunde und eine entsprechende Laudatio wird Graf bei entsprechendem Anlass erhalten.

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