|
Da
steckt noch mehr Potential drin!
Mit Matthias Imhof kehrt eine neue Qualität in den Musikverein ein – Gut
besuchtes Herbstkonzert
|

Eine ganz neue
musikalische Qualität stellte der Musikverein Ehrstädt-Hasselbach bei
seinem diesjährigen Herbstkonzert in der Seewiesenhalle vor. |
Sinsheim-Ehrstädt (hk) „Da steckt noch mehr Potential drin, die
Kapelle ist noch ausbaufähig“, so lautete mit einem Lachen im Gesicht
das Fazit vom Dirigenten Matthias Imhof. Gerade hatten die Musikerinnen
und Musiker des Musikverein Ehrstädt-Hasselbach am vergangenen
Samstagabend nach ihrem Herbstkonzert die Bühne in der Seewiesenhalle
verlassen, dachte der musikalische Leiter, der Anfang Januar 2009 die
Stabführung beim Musikverein übernommen hatte, schon an das nächste
Konzert. „Die Kapelle ist noch steigerungsfähig!“, sagte Imhof.
[bildergalerie] |
Nicht nur der Dirigent zeigte
sich vom Auftritt seiner Musikanten begeistert, auch einige ehemalige
Musiker, die sich das Konzert anhörten ließen ihrer Begeisterung freien
Lauf. „Das war heute echt der Hammer! So gut hat der Musikverein sein Lebtag
noch nie gespielt! Das war einfach Blasmusik der Spitzenklasse!“ Die
Lobeshymnen waren nach diesem Herbstkonzert gerechtfertigt. Wann hat man den
Mittelstufen-Verein schon einmal richtig leise spielen hören? Beim jüngsten
Konzert stimmte einfach alles: Die Dynamik und auch der satte volle Klang
der Instrumente, mit dem dezent eingesetzten Schlagwerk. Es war eine ganz
neue Qualität, die der Musikverein bei diesem Konzert vorstellte.
Bevor das Publikum, es hätten an diesem Abend ruhig einige mehr Gäste sein
können, lang anhaltenden Beifall spenden konnte, mussten die Musiker erst
einmal musizieren. Zuvor begrüßte Vorsitzender Arno Schneider die
Honorationen, darunter die beiden Gründungsmitglieder des Vereins,
„Ehrenpräsident“ Ottfried Moser, „Ehrenschlagzeuger“ Josef Kotzanek, den
neuen Ortsvorsteher von Ehrstädt, Herbert Hauk, sowie die Vertreter der
örtlichen Vereine aus Ehrstädt, Hasselbach und Adersbach. Über die Gäste aus
Adersbach freute sich Schneider besonders, „schließlich ist es schon seit
Jahren schwierig, ohne die Mitglieder aus unserer Nachbargemeinde etwas auf
die Beine zu stellen“, so Schneider. Das Konzert widmete der Musikverein
auch den vier in diesem Jahr verstorbenen Mitgliedern Rudi Frey, Gerhard
Reimold, Rudi Lindenthal und Helma Sinn.
Während der Vorsitzende noch einen kurzen Jahresrückblick gab, zitterten die
Jungmusikerinnen und –musiker schon eine ganze Weile auf der Bühne, und
sehnten ihrem ersten Auftritt nach der wochenlangen Probearbeit nach.
Endlich erhob die Dirigentin Anna Paulus den Taktstock und mit dem
Festlichen Choral von Hans Hartwig begann das Herbstkonzert 2009 und die
Nervosität legte sich schlagartig. Zur Einstimmung auf die Advents- und
Weihnachtszeit intonierte der siebenköpfige Nachwuchs, es fehlten zwei
Musikerinnen wegen Krankheit, „Mary’s boy child“ und „Last Christmas“,
unterstützt von fünf Musikern der Hauptkapelle. Franziska Volk stellte die
Stücke vor und lud die Zuhörer bei der Zugabe mit „Tochter Zion“ zum
Mitsingen ein.
Dann nahm die 33-köpfige Blaskapelle auf der Bühne Platz, die in diesem Jahr
erstmals so gestaltet war, dass die Musikanten nicht im Halbkreis und auf
einer Ebene saßen, sondern direkt in Richtung Zuhörerschaft und abgestuft
konzertierten. Die erste Maßnahme, die der neue Dirigent aus Reihen
einführte und dann „die musikalische Reise rund um die Welt“, so das Motto
des Abends, entführte.
Aus der Zeit der K und K-Monarchie stammt der „Deutschmeister
Regimentsmarsch“, den August Jurek arrangierte. Schon hier konnte man den
neuen Blasmusiksound der Kapelle und die neue musikalische Leitung von
Matthias Imhof erkennen. Mit „Young Life“ von Manfred Schneider stellte sich
Dirigent Imhof beim Musikverein für sein Probedirigat vor. Die langsamen wie
schnellen, die ernsten wie lustigen Passagen meisterte die Kapelle locker
und zeigte damit, dass Musikanten und Dirigent sich „gefunden“ hatten.
Den Höhepunkt des Konzert stellte das von Albert William Ketélbey
komponierte Stück „Auf einem persischen Markt“ dar. Die einzelnen Register
ließen in den Ohren der Zuhörer Kameltreiber, Bettler, Gaukler,
Schlangenbeschwörer, Kalifen und eine Prinzessin Wirklichkeit werden. Ein
Genuss war hier vor allem die Dynamik, die die Kapelle präsentierte. Einfach
zum Zungeschnalzen! Bevor es in die Pause ging, bei der sich Musiker wie
Publikum bei heißen Würsten und Laugenbrezeln und einem Glas Sekt stärken
konnten, ertönte die Polka „Neuer Schwung“ von Peter Schad und den
Oberschwäbischen Dorfmusikanten. Das war auch das einzige Schmankerl, das
der Musikverein den Freunden der Volksmusik präsentierte.
Frank Sinatra huldigte dem „Big Apple“ mit diesem Song, der ein Welthit
wurde. Auch die Ehrstädt-Hasselbacher brachten das Flair „aus der Stadt die
niemals schläft“ in den Kraichgau: „New York, New York“ schmetterten
Trompeten, Flügel- und Tenorhörner und plötzlich bewegten sich beim Publikum
Hände und Füße im Takt. Schon vor Jahren spielte das Blasorchester die Hits
von Bert Kämpfert. wie „Swingin’ Safari“, „Dankeschön“ oder „Afrikaan Beat“.
An diesem Abend allerdings mit einer vorzüglichen Qualität. Da drückte man
auch mal bei manchen Übergängen, die etwas holprig daher kamen, die Augen
zu. Bei „Nena“ und ihren bekanntesten Hits wie „Irgendwie, irgendwo,
irgendwann“, „Leuchtturm“, „Nur geträumt“ und „99 Luftballons“ übernahm
Vize-Dirigent Alexander Brietz den Taktstock. Am Ende des Stücks sieg ein
roter Luftballon an die Decke der Seewiesenhalle, was zu spontanem Applaus
des überraschten Publikums führte. Mit den bekannten Liedern der Comedian
Harmonists, unter anderem „Ein Freund ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz
ist da“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ beendeten die Musikanten die
musikalische Reise rund um die Welt. Die Conference hatte Michaela Paulus
inne, die die einzelnen Musikstücke dem Publikum näher brachte.
Mit dem „Böhmischen Traum“ erhielten die Volksmusikfreunde nochmals eine
tolle Zugabe und mit „Macht hoch die Tür“ stimmten die Musikerinnen und
Musiker die Zuhörer auf die Adventszeit ein. Vorsitzender Arno Schneider
bedankte sich bei allen Mitwirkenden, insbesondere bei den Musikern, „die in
den letzten Wochen hart auf das Konzert gearbeitet haben“. Schneider
bekannte dann auch mit einem Schmunzeln: „Uns war klar, dass das vom
Dirigent ausgewählte Repertoire bei Ihnen ankommt!“
[zurück]
[bildergalerie] |