Samstag, 28. November 2009
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Da steckt noch mehr Potential drin!
Mit Matthias Imhof kehrt eine neue Qualität in den Musikverein ein – Gut besuchtes Herbstkonzert


Eine ganz neue musikalische Qualität stellte der Musikverein Ehrstädt-Hasselbach bei seinem diesjährigen Herbstkonzert in der Seewiesenhalle vor.

Sinsheim-Ehrstädt (hk) „Da steckt noch mehr Potential drin, die Kapelle ist noch ausbaufähig“, so lautete mit einem Lachen im Gesicht das Fazit vom Dirigenten Matthias Imhof. Gerade hatten die Musikerinnen und Musiker des Musikverein Ehrstädt-Hasselbach am vergangenen Samstagabend nach ihrem Herbstkonzert die Bühne in der Seewiesenhalle verlassen, dachte der musikalische Leiter, der Anfang Januar 2009 die Stabführung beim Musikverein übernommen hatte, schon an das nächste Konzert. „Die Kapelle ist noch steigerungsfähig!“, sagte Imhof.

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Nicht nur der Dirigent zeigte sich vom Auftritt seiner Musikanten begeistert, auch einige ehemalige Musiker, die sich das Konzert anhörten ließen ihrer Begeisterung freien Lauf. „Das war heute echt der Hammer! So gut hat der Musikverein sein Lebtag noch nie gespielt! Das war einfach Blasmusik der Spitzenklasse!“ Die Lobeshymnen waren nach diesem Herbstkonzert gerechtfertigt. Wann hat man den Mittelstufen-Verein schon einmal richtig leise spielen hören? Beim jüngsten Konzert stimmte einfach alles: Die Dynamik und auch der satte volle Klang der Instrumente, mit dem dezent eingesetzten Schlagwerk. Es war eine ganz neue Qualität, die der Musikverein bei diesem Konzert vorstellte.

Bevor das Publikum, es hätten an diesem Abend ruhig einige mehr Gäste sein können, lang anhaltenden Beifall spenden konnte, mussten die Musiker erst einmal musizieren. Zuvor begrüßte Vorsitzender Arno Schneider die Honorationen, darunter die beiden Gründungsmitglieder des Vereins, „Ehrenpräsident“ Ottfried Moser, „Ehrenschlagzeuger“ Josef Kotzanek, den neuen Ortsvorsteher von Ehrstädt, Herbert Hauk, sowie die Vertreter der örtlichen Vereine aus Ehrstädt, Hasselbach und Adersbach. Über die Gäste aus Adersbach freute sich Schneider besonders, „schließlich ist es schon seit Jahren schwierig, ohne die Mitglieder aus unserer Nachbargemeinde etwas auf die Beine zu stellen“, so Schneider. Das Konzert widmete der Musikverein auch den vier in diesem Jahr verstorbenen Mitgliedern Rudi Frey, Gerhard Reimold, Rudi Lindenthal und Helma Sinn.

Während der Vorsitzende noch einen kurzen Jahresrückblick gab, zitterten die Jungmusikerinnen und –musiker schon eine ganze Weile auf der Bühne, und sehnten ihrem ersten Auftritt nach der wochenlangen Probearbeit nach. Endlich erhob die Dirigentin Anna Paulus den Taktstock und mit dem Festlichen Choral von Hans Hartwig begann das Herbstkonzert 2009 und die Nervosität legte sich schlagartig. Zur Einstimmung auf die Advents- und Weihnachtszeit intonierte der siebenköpfige Nachwuchs, es fehlten zwei Musikerinnen wegen Krankheit, „Mary’s boy child“ und „Last Christmas“, unterstützt von fünf Musikern der Hauptkapelle. Franziska Volk stellte die Stücke vor und lud die Zuhörer bei der Zugabe mit „Tochter Zion“ zum Mitsingen ein.

Dann nahm die 33-köpfige Blaskapelle auf der Bühne Platz, die in diesem Jahr erstmals so gestaltet war, dass die Musikanten nicht im Halbkreis und auf einer Ebene saßen, sondern direkt in Richtung Zuhörerschaft und abgestuft konzertierten. Die erste Maßnahme, die der neue Dirigent aus Reihen einführte und dann „die musikalische Reise rund um die Welt“, so das Motto des Abends, entführte.

Aus der Zeit der K und K-Monarchie stammt der „Deutschmeister Regimentsmarsch“, den August Jurek arrangierte. Schon hier konnte man den neuen Blasmusiksound der Kapelle und die neue musikalische Leitung von Matthias Imhof erkennen. Mit „Young Life“ von Manfred Schneider stellte sich Dirigent Imhof beim Musikverein für sein Probedirigat vor. Die langsamen wie schnellen, die ernsten wie lustigen Passagen meisterte die Kapelle locker und zeigte damit, dass Musikanten und Dirigent sich „gefunden“ hatten.

Den Höhepunkt des Konzert stellte das von Albert William Ketélbey komponierte Stück „Auf einem persischen Markt“ dar. Die einzelnen Register ließen in den Ohren der Zuhörer Kameltreiber, Bettler, Gaukler, Schlangenbeschwörer, Kalifen und eine Prinzessin Wirklichkeit werden. Ein Genuss war hier vor allem die Dynamik, die die Kapelle präsentierte. Einfach zum Zungeschnalzen! Bevor es in die Pause ging, bei der sich Musiker wie Publikum bei heißen Würsten und Laugenbrezeln und einem Glas Sekt stärken konnten, ertönte die Polka „Neuer Schwung“ von Peter Schad und den Oberschwäbischen Dorfmusikanten. Das war auch das einzige Schmankerl, das der Musikverein den Freunden der Volksmusik präsentierte.

Frank Sinatra huldigte dem „Big Apple“ mit diesem Song, der ein Welthit wurde. Auch die Ehrstädt-Hasselbacher brachten das Flair „aus der Stadt die niemals schläft“ in den Kraichgau: „New York, New York“ schmetterten Trompeten, Flügel- und Tenorhörner und plötzlich bewegten sich beim Publikum Hände und Füße im Takt. Schon vor Jahren spielte das Blasorchester die Hits von Bert Kämpfert. wie „Swingin’ Safari“, „Dankeschön“ oder „Afrikaan Beat“. An diesem Abend allerdings mit einer vorzüglichen Qualität. Da drückte man auch mal bei manchen Übergängen, die etwas holprig daher kamen, die Augen zu. Bei „Nena“ und ihren bekanntesten Hits wie „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, „Leuchtturm“, „Nur geträumt“ und „99 Luftballons“ übernahm Vize-Dirigent Alexander Brietz den Taktstock. Am Ende des Stücks sieg ein roter Luftballon an die Decke der Seewiesenhalle, was zu spontanem Applaus des überraschten Publikums führte. Mit den bekannten Liedern der Comedian Harmonists, unter anderem „Ein Freund ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz ist da“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ beendeten die Musikanten die musikalische Reise rund um die Welt. Die Conference hatte Michaela Paulus inne, die die einzelnen Musikstücke dem Publikum näher brachte.

Mit dem „Böhmischen Traum“ erhielten die Volksmusikfreunde nochmals eine tolle Zugabe und mit „Macht hoch die Tür“ stimmten die Musikerinnen und Musiker die Zuhörer auf die Adventszeit ein. Vorsitzender Arno Schneider bedankte sich bei allen Mitwirkenden, insbesondere bei den Musikern, „die in den letzten Wochen hart auf das Konzert gearbeitet haben“. Schneider bekannte dann auch mit einem Schmunzeln: „Uns war klar, dass das vom Dirigent ausgewählte Repertoire bei Ihnen ankommt!“


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