Sonntag, 13. Februar 2011

Lehrstunde für die TSG
Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim bekam gestern seine Grenzen aufgezeigt. Bayern München führte die enttäuschenden Kraichgauer beim 4:0 (2:0)-Heimsieg vor.


Quelle: www.morgenweb.de  -
von Jürgen Berger

München/Hoffenheim. Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim bekam gestern seine Grenzen aufgezeigt. Bayern München führte die enttäuschenden Kraichgauer beim 4:0 (2:0)-Heimsieg vor. Die Treffer für den Rekordmeister erzielten Mario Gomez (2.), Thomas Müller (15.) und Arjen Robben (63./81.). Es war eine äußerst schmerzhafte Premiere. Erstmals traf Hoffenheims Trainer Marco Pezzaiuoli persönlich auf Louis van Gaal. Dabei hat der gebürtige Mannheimer einige Gemeinsamkeiten mit dem Bayern-Coach. "Pezza" lebte drei Jahre in Amsterdam, hospitierte beim Traditionsklub Ajax. Ausgerechnet den betreute van Gaal von 1991 bis 1997. "Seine Erfolge sprechen für sich. Ich schätze seine Arbeit. Er ist ein Trainer, der nicht nur versucht, erfolgreich zu sein, sondern auch attraktiv spielen will", lobte Pezzaiuoli vor der Partie die Philosophie seines Rivalen, die seiner eigenen sehr ähnelt. In der mit 69 000 Zuschauern ausverkauften Münchner Allianz-Arena - darunter 4300 mitgereiste 1899-Anhänger - erhielt er gestern eine Nachhilfestunde.
"Der FC Bayern war uns in allen Belangen überlegen. Wir haben eine grottenschlechte Leistung gezeigt. Glückwunsch an die Münchner", resümierte Pezzaiuoli und schüttelte van Gaal kurz darauf die Hand. Verbale Störfeuer blieben aus, die beiden Vereinsführungen gingen vor dem Anpfiff sogar gemeinsam essen.
Der 59-jährige van Gaal macht kein Geheimnis daraus, dass er Gleichgesinnte mag. Das ist in seinem Buch "Vision" nachzulesen, in dem er "angriffsbetonten Fußball" propagiert. Der Niederländer gibt darin zu: "Es ist ungerecht von mir, aber mit Klubs, die Spiele defensiv gewinnen, kann ich schlecht umgehen." Er selbst wage den schwierigsten Weg, schreibt van Gaal. Er weiß, dass bei seinem Stil die eigene Abwehr Probleme bekommen kann. Damit wären wir bei der Achillesferse des Bayern-Spiels, die nicht erst das peinliche 2:3 beim 1. FC Köln aufzeigte.
Doch Hoffenheim nutzte den Schwachpunkt der Heim-Elf nicht. In der ersten Halbzeit brachten lediglich Sejad Salihovic (19.) und Vedad Ibisevic (25.) den Ball halbwegs gefährlich auf den Kasten von Bayern-Torwart Thomas Kraft. Ausgerechnet die beiden TSG-Akteure, die eine anstrengende Länderspielreise mit Bosnien in den Knochen hatten.
Pezzaiuoli war früh mächtig sauer. Seinen Zorn bekam vor allem Sebastian Rudy zu spüren. In der 19. Minute holte er den Mittelfeld-Spieler vom Platz. Die Höchststrafe. Tobias Weis durfte ran, konnte allerdings auch keine Ordnung ins TSG-Spiel bringen. Zu dominant trumpften die Bayern auf. "München spielt seit Jahrzehnten in der Bundesliga auf hohem Niveau und hat weltweit einen Namen. Wir können noch einiges vom Rekordmeister lernen", erklärte der TSG-Coach. Vor allem Arjen Robben und Franck Ribéry, die zuletzt am 15. Mai 2010 beim DFB-Pokalfinale gemeinsam auf dem Platz standen, wirbelten.
Schon nach 84 Sekunden klingelte es das erste Mal im Hoffenheimer Kasten. Mario Gomez schloss eine tolle Kombination mit seinem 17. Saisontreffer ab - 1:0. Thomas Müller erhöhte in der 15. Minute auf 2:0. Bayern zauberte, die wehrlosen Kraichgauer ließen sich vorführen. Torwart Tom Starke bewahrte seine Mannschaft in der 39. Minute vor dem 0:3, als er einen Versuch von Bastian Schweinsteiger glänzend parierte. Ab der 46. Minute ersetzte Josip Simunic den angeschlagenen Isaac Vorsah in der Innenverteidigung der Gäste. Der Kroate leitete mit einem Patzer Müllers nächste Großchance ein, doch Starke war wieder zur Stelle (56.). Genauso wie kurz darauf bei einem Ribéry-Freistoß. Doch dann folgte beim Münchner Festspiel der große Auftritt von Robben, der in der 63. Minute ein Solo zum 3:0 abschloss. Der Niederländer setzte auch den Schlusspunkt zum 4:0 (81.).
Damit bleibt Hoffenheim weiterhin der einzige aktuelle Erstligist, der noch nie gegen den FC Bayern - bei dem der Ex-Hoffenheimer Luiz Gustavo blass blieb - gewonnen hat. Bisher gab es zwei Unentschieden und vier Niederlagen.

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