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München/Hoffenheim. Fußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim
bekam gestern seine Grenzen aufgezeigt. Bayern München führte
die enttäuschenden Kraichgauer beim 4:0 (2:0)-Heimsieg vor. Die
Treffer für den Rekordmeister erzielten Mario Gomez (2.), Thomas
Müller (15.) und Arjen Robben (63./81.). Es war eine äußerst
schmerzhafte Premiere. Erstmals traf Hoffenheims Trainer Marco
Pezzaiuoli persönlich auf Louis van Gaal. Dabei hat der
gebürtige Mannheimer einige Gemeinsamkeiten mit dem
Bayern-Coach. "Pezza" lebte drei Jahre in Amsterdam, hospitierte
beim Traditionsklub Ajax. Ausgerechnet den betreute van Gaal von
1991 bis 1997. "Seine Erfolge sprechen für sich. Ich schätze
seine Arbeit. Er ist ein Trainer, der nicht nur versucht,
erfolgreich zu sein, sondern auch attraktiv spielen will", lobte
Pezzaiuoli vor der Partie die Philosophie seines Rivalen, die
seiner eigenen sehr ähnelt. In der mit 69 000 Zuschauern
ausverkauften Münchner Allianz-Arena - darunter 4300 mitgereiste
1899-Anhänger - erhielt er gestern eine Nachhilfestunde.
"Der FC Bayern war uns in allen Belangen überlegen. Wir haben
eine grottenschlechte Leistung gezeigt. Glückwunsch an die
Münchner", resümierte Pezzaiuoli und schüttelte van Gaal kurz
darauf die Hand. Verbale Störfeuer blieben aus, die beiden
Vereinsführungen gingen vor dem Anpfiff sogar gemeinsam essen.
Der 59-jährige van Gaal macht kein Geheimnis daraus, dass er
Gleichgesinnte mag. Das ist in seinem Buch "Vision" nachzulesen,
in dem er "angriffsbetonten Fußball" propagiert. Der
Niederländer gibt darin zu: "Es ist ungerecht von mir, aber mit
Klubs, die Spiele defensiv gewinnen, kann ich schlecht umgehen."
Er selbst wage den schwierigsten Weg, schreibt van Gaal. Er
weiß, dass bei seinem Stil die eigene Abwehr Probleme bekommen
kann. Damit wären wir bei der Achillesferse des Bayern-Spiels,
die nicht erst das peinliche 2:3 beim 1. FC Köln aufzeigte.
Doch Hoffenheim nutzte den Schwachpunkt der Heim-Elf nicht. In
der ersten Halbzeit brachten lediglich Sejad Salihovic (19.) und
Vedad Ibisevic (25.) den Ball halbwegs gefährlich auf den Kasten
von Bayern-Torwart Thomas Kraft. Ausgerechnet die beiden
TSG-Akteure, die eine anstrengende Länderspielreise mit Bosnien
in den Knochen hatten.
Pezzaiuoli war früh mächtig sauer. Seinen Zorn bekam vor allem
Sebastian Rudy zu spüren. In der 19. Minute holte er den
Mittelfeld-Spieler vom Platz. Die Höchststrafe. Tobias Weis
durfte ran, konnte allerdings auch keine Ordnung ins TSG-Spiel
bringen. Zu dominant trumpften die Bayern auf. "München spielt
seit Jahrzehnten in der Bundesliga auf hohem Niveau und hat
weltweit einen Namen. Wir können noch einiges vom Rekordmeister
lernen", erklärte der TSG-Coach. Vor allem Arjen Robben und
Franck Ribéry, die zuletzt am 15. Mai 2010 beim DFB-Pokalfinale
gemeinsam auf dem Platz standen, wirbelten.
Schon nach 84 Sekunden klingelte es das erste Mal im
Hoffenheimer Kasten. Mario Gomez schloss eine tolle Kombination
mit seinem 17. Saisontreffer ab - 1:0. Thomas Müller erhöhte in
der 15. Minute auf 2:0. Bayern zauberte, die wehrlosen
Kraichgauer ließen sich vorführen. Torwart Tom Starke bewahrte
seine Mannschaft in der 39. Minute vor dem 0:3, als er einen
Versuch von Bastian Schweinsteiger glänzend parierte. Ab der 46.
Minute ersetzte Josip Simunic den angeschlagenen Isaac Vorsah in
der Innenverteidigung der Gäste. Der Kroate leitete mit einem
Patzer Müllers nächste Großchance ein, doch Starke war wieder
zur Stelle (56.). Genauso wie kurz darauf bei einem
Ribéry-Freistoß. Doch dann folgte beim Münchner Festspiel der
große Auftritt von Robben, der in der 63. Minute ein Solo zum
3:0 abschloss. Der Niederländer setzte auch den Schlusspunkt zum
4:0 (81.).
Damit bleibt Hoffenheim weiterhin der einzige aktuelle
Erstligist, der noch nie gegen den FC Bayern - bei dem der
Ex-Hoffenheimer Luiz Gustavo blass blieb - gewonnen hat. Bisher
gab es zwei Unentschieden und vier Niederlagen. |