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Trainer Marco
Pezzaiuoli fordert mit der TSG 1899 am Samstag Rekordmeister
Bayern München heraus.
Bildquelle:
dpa
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Hoffenheim.
Als 18-Jähriger betreute Marco Pezzaiuoli die B-Jugend des VfR
Mannheim, heute (15.30 Uhr) tritt er als Trainer des
Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim bei Bayern München an.
Herr Pezzaiuoli, Ihre Ehefrau ist Mode-Designerin. Wer hat
bei der Kleider-Auswahl am Spieltag das Sagen?
Marco Pezzaiuoli
(lacht): Das entscheide
ich selbst.
Das kam sehr spontan. Welche
Eigenschaften braucht man, um ein erfolgreicher
Bundesliga-Trainer zu sein?
Pezzaiuoli:
Man braucht auf jeden Fall großes
Glück. Es gibt viele Trainer, die gar nicht die Möglichkeit
bekommen, in der Bundesliga zu arbeiten. Man muss seine eigene
Philosophie über Jahre entwickeln. Dann gilt es, eine eigene
Handschrift umzusetzen. Wichtig ist, konsequent zu bleiben.
Sind Sie mit Ihrem Start als TSG-Chefcoach zufrieden?
Pezzaiuoli:
Wir kommen sehr gut voran. Wir haben das Positionsspiel
optimiert, weniger Ballverluste und erarbeiten uns viele
Torchancen.
Trotz der jüngsten Erfolge äußern Sie sich sehr zurückhaltend
zu den Saisonzielen. Dabei gelten Sie als sehr ehrgeizig und
zielstrebig...
Pezzaiuoli:
Man muss immer den ersten Schritt vor dem zweiten oder dritten
machen. Die Liga spielt in dieser Saison sehr konfus. Deshalb
zählt es zunächst, die Punkte einzufahren, die wichtig für den
Klassenerhalt sind. Ist das geschafft, können neue Ziele
ausgegeben werden. |
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Glauben Sie, dass das "Projekt
Hoffenheim" mit dieser Taktik auf Dauer die Erwartungen der Fans
erfüllen kann?
Pezzaiuoli:
Entscheidend ist, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen,
der unsere Fans begeistert. Irgendwann - wenn der Klub gefestigt
ist - kann man vielleicht sagen, dass wir jedes Jahr in der
Europa League oder der Champions League spielen wollen. So weit
sind wir noch nicht. Sollte jedoch schon in dieser Runde ein
Platz im internationalen Geschäft herauskommen, nehmen wir das
gerne an.
Mäzen Dietmar Hopp hat gefordert, dass die Talentförderung
optimiert werden muss. Gibt es Kandidaten für den Profikader?
Pezzaiuoli:
Wir brauchen noch ein bisschen
Zeit und Geduld. Es gilt, Schritt für Schritt den einen oder
anderen Spieler heranzuführen. Mit Manuel Gulde steht bereits
ein Spieler im Profikader, leider ist er noch verletzt.
Marco Terrazzino und Pascal Groß sind gemeinsam mit Gulde vom
VfL Neckarau zur TSG gewechselt. Warum haben Sie den Durchbruch
nicht geschafft?
Pezzaiuoli:
Beide konnten sich früh durch Einsätze in der Bundesliga
präsentieren. Ihr Weg ist dann aber nicht so weitergegangen, wie
sie es sich vorgestellt haben. Ich finde es gut, dass sie nun
beim Karlsruher SC den Weg über die Zweite Liga suchen, um den
nächsten Schritt machen zu können.
Was trauen Sie Gulde zu?
Pezzaiuoli:
Entscheidend ist, dass er über einen längeren Zeitraum
verletzungsfrei spielen kann und so sein Selbstvertrauen findet.
Wir setzen auf ihn. Das zeigt auch, dass wir bestrebt sind, den
Vertrag mit ihm zu verlängern.
Ist Hoffenheim ein Ausbildungsverein?
Pezzaiuoli:
Definitiv nicht. Wir sind ein Verein, der erfolgreich in der
Fußball-Bundesliga spielen möchte. Damit das gelingt, müssen wir
zwei Wege kombinieren: Zum einen Spieler von außerhalb holen und
anderseits den eigenen Nachwuchs so stark fördern, dass
irgendwann möglichst viele Spieler in unserem Profi-Kader aus
dem eigenen Stall kommen.
Wie oft tauschen Sie sich mit Hopp aus?
Pezzaiuoli:
Wir haben uns schon einige Male ausgetauscht. Ich hoffe, dass es
weiterhin regelmäßige Treffen geben wird.
Jeder Verein braucht Identifikationsfiguren. Sie sind
Kurpfälzer. Kommt diese Rolle für Sie infrage?
Pezzaiuoli:
Es ist ein Zeichen, dass ich vom Verein einen Vertrag bis 2013
plus Option auf ein weiteres Jahr erhalten habe. Das zeigt, dass
man sich mit mir und meiner Arbeit identifiziert. Wenn ich es
schaffen könnte, hier eine ähnliche Ära wie Otto Rehhagel oder
Thomas Schaaf in Bremen zu erleben, wäre das eine tolle Sache.
So etwas ist im Leistungssport aber nicht planbar.
Hopp rechtfertigt den Verkauf von Luiz Gustavo mit dem
Financial Fairplay der UEFA. Glauben Sie, dass diese Regelung in
Italien oder Spanien tatsächlich umgesetzt wird?
Pezzaiuoli:
Wir können nicht so tun, als ob diese Regelung vielleicht gar
nicht eintritt. Das wäre nicht professionell. Wir sind gut
aufgestellt. Gehälter und Einnahmen sind so strukturiert, dass
wir keine Probleme haben werden.
Verfolgen Sie den Fußball in Mannheim?
Pezzaiuoli:
Auf jeden Fall. Ich hoffe, dass sich der SV Waldhof wieder
fängt, damit irgendwann wieder Bundesliga-Fußball in Mannheim
gespielt werden kann.
1899-Kapitän Andreas Beck wird von Juventus Turin umworben.
Verliert die TSG im Sommer einen weiteren Leistungsträger?
Pezzaiuoli:
Generell müssen wir immer damit rechnen, dass uns Spieler
verlassen. Das haben wir in dieser Saison gesehen. Andreas ist
durch eine Vertragsoption bis 2013 an uns gebunden. Unser
Bestreben ist es natürlich, unseren Kapitän zu halten.
Ryan Babel für Demba Ba, Edson Braafheid für Christian
Eichner, David Alaba für Luiz Gustavo, dazu Firmino. Ist
Hoffenheim qualitativ besser besetzt als vor den
Winter-Transfers?
Pezzaiuoli.
Das Team ist anders besetzt. Man kann nicht sagen, der Spieler
ist für den gekommen. Man hat gewisse Spielertypen gesucht, die
zu unserer Philosophie passen und dann verpflichtet. Jeder Profi
hat andere Qualitäten. Eichner hatte zum Beispiel großen
Einfluss innerhalb der Mannschaft, war ein Führungsspieler. Die
Neuen müssen in diese Rolle erst noch hineinwachsen. |