Montag, 7. Februar 2011

Eskalation nur um Haaresbreite vermieden

Quelle: www.rnz.de - Von Wolfgang Kächele


Aufmarsch 1: Die Polizei zog starke Kräfte rund um die Rhein-Neckar-Arena zusam-men, um eventuellen Ausschreitungen wirkungsvoll begegnen zu können.

Sinsheim. Polizei, Deutscher Fußballbund (DFB) und Deutsche Fußballliga (DFL) stuften das Bundesligaspiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem 1. FC Kaiserslautern am vergangenen Samstag in die Kategorie "high risk" ein. Das bedeutet: Die höchst mögliche Sicherheitsstufe wurde organisiert.
"Unsere Kräfte bleiben, so gut es geht im Hintergrund, wir sind aber etwa doppelt so stark vertreten wie bei einem normalen Bundesligaspiel", präzisierte Polizei-Pressesprecher Klaus Engelhardt die vorbereiteten Maßnahmen. Rund 300 Ordnungskräfte versuchten die Rhein-Neckar-Arena und die 30 000 Zuschauer gegen gewalttätige Ausschreitungen zu sichern.
"Es gab nur wenige Zwischenfälle," konnte der Polizeisprecher am gestrigen Sonntag erleichtert bilanzieren. Neben dem immer wieder einmal vorkommenden Gerangel zwischen einzelnen Fans, warfen FCK-Anhänger auf ihrem Rückweg zum Bahnhalt "Museum/Arena" Glascontainer um. "Wohl aus Frust über die Niederlage", vermutet Engelhardt. Ansonsten sei es ruhig geblieben.
Allerdings war der Polizei eine äußerst gefährliche Situation etwa eineinhalb Stunden vor dem Spiel an der Nordwestecke der Arena offenbar entgangen. Dort näherten sich über die gesperrte Neulandstraße und die Autobahnbrücke in der Art eines militärischen Aufmarsches über die ganze Straßenbreite verteilt plötzlich rund 120 äußerst aggressive "Hoffe"-Anhänger. Wüste Beschimpfungen und drohende Fäuste galten den FCK-Fans in Sichtweite am Eingang Nordost. Einige Zuschauer, die mit einem FCK-Schal oder Trikot der Pfälzer bekleidet waren, wurden auf das Übelste angepöbelt und provoziert. Vereinzelt kam es zu Tätlichkeiten, volle Bierbecher flogen durch die Luft auf unschuldige Häupter.
Dabei taten sich besonders zwei junge Frauen hervor, die wie wild aufeinander losgingen und erst durch das beherzte Eingreifen mutiger neutraler Gäste auseinander gebracht werden konnten. Weder Polizeikräfte noch Security-Personal waren zu diesem Zeitpunkt auch nur in der Nähe.
Zum Glück war da der 800 Personen umfassende Fananmarsch der Pfälzer auf dem Weg vom Bahnhalt Museum/Arena noch nicht auf dem Stadiongelände angekommen.
Wer weiß, ob die ansonsten weitgehend friedlichen Mitfahrer des DB-Sonderzuges aus Kaiserslautern nicht mitgemischt hätten. Auch die meisten der mit den rund 50 Bussen aus Kaiserslautern angereisten FCK-Fans waren noch nicht vor Ort. Und da die Ordnungskräfte sich offenbar an anderer Stelle noch sammelten und aufstellten, wäre eine Eskalation im großen Stil wohl nicht auszuschließen gewesen.
In Sachen Verkehr rund um die Arena vor und nach dem Spiel hatte man nur nach der Begegnung größere Probleme. "Zwei Unfälle auf der Autobahn in Richtung Mannheim sorgten für Staus und zeitliche Verzögerung der Abreise", hatte Polizeisprecher Klaus Engelhardt die ebenso regelmäßigen wie unvermeidbaren Schwachstellen registriert. Doch bereits eine gute Stunde nach Spielschluss löste sich auch für die Autofahrer alles in Wohlgefallen auf, was so viel hieß wie: "Freie Fahrt nach Hause".

 

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