|

Pezzaiuoli stieg zu Jahresbeginn
vom Co-Trainer zum Chefcoach in Hoffenheim auf
|
Cottbus/Hoffenheim. Marco
Pezzaiuoli hatte wirklich alles versucht. Selbst den feinen
Zwirn ließ der adrette Kurpfälzer im Schrank. "Zu einem echten
Pokalfight sollte man in der richtigen Kleidung auftreten",
sagte Pezzaiuoli. Doch auch der erste Auftritt im
Trainingsanzug vermochte den Spielern von 1899 Hoffenheim im
Pokal-Viertelfinale bei Energie Cottbus nicht die nötigen
Impulse zu geben.
Klassischer Fehlstart als 1899-Coach
Auch im dritten Spiel seiner Amtszeit blieb der frühere
Junioren-Nationaltrainer sieglos. Pezzaiuoli muss einen
gehörigen Fehlstart verarbeiten. Vor dem 0:1 bei Energie verlor
1899 in Bremen und kam zu Hause gegen Aufsteiger St. Pauli nur
zu einem glücklichen 2:2. Der junge Trainer schiebt das auf die
Abgänge von Luiz Gustavo und Demba Ba in der Winterpause: "Das
Team ist in der Findungsphase, es muss eine neue Hierarchie
geschaffen werden."
Vertragspoker geht weiter
Die Umstände für eine Findungsphase sind allerdings unglücklich.
Erst der laute Abgang von Trainer Ralf Rangnick, dann die
Zickerei von Stürmer Demba Ba und nun die Posse um Pezzaiuolis
Vertrag. Der 42-Jährige ist bei der TSG noch ohne Arbeitspapier
- was vorläufig so bleiben soll. "Es ist nicht so schlimm, wenn
wir es erst nach dem Schalke-Spiel und dem Transferschluss über
die Bühne bringen", sagte Manager Ernst Tanner am Donnerstag.
Wird Schalke schon zum Schicksalsspiel?
Nach der Niederlage gegen Cottbus könnte es der Verein aber gar
nicht so eilig mit einer Einigung haben. Verliert Hoffenheim
auch in Gelsenkirchen, ist das Experiment mit dem
Nachwuchstrainer vielleicht schon wieder beendet. Zumal sich
Pezzaiuoli mit seinem Vertragspoker bei Mäzen Dietmar Hopp nicht
gerade beliebt gemacht haben dürfte. Unter anderem ging es dabei
um die Laufzeit. Der Klub bot 2013 an, der Trainer will bis 2014
bleiben.
|
|
"Ich habe überhaupt keine
Bedenken"
Und Hopp könnte die komplizierte Eselsbrücke, mit der er sich
den Namen des Trainers merkt, wieder aus seinem Gedächtnis
streichen. "Pizza mit e, dann von meinem älteren Sohn Oliver die
ersten drei Buchstaben und mittendrin ein i und ein u. Dann kann
ich es wenigstens schreiben", sagte der frühere SAP-Chef der
"Sport Bild". Der vertragslose Cheftrainer kann über solche
Worte nur schmunzeln, selbst wenn ihn ein TV-Reporter
versehentlich als "Marco Pestalozzii" anspricht. Und Pezzaiuoli
bleibt auch angesichts der sportlichen Situation ruhig. "Ich
habe überhaupt keine Bedenken. Die jungen Spieler brauchen Zeit,
um in neue Rollen hineinzuwachsen. Das geht nicht von heute auf
morgen", sagte der gebürtige Mannheimer.
Braafheid-Transfer perfekt
Am Donnerstag bekam er noch eine Verstärkung für die Abwehr: Der
Transfer des Niederländers Edson Braafheid von Bayern München zu
1899 ist perfekt. Und Braafheid sieht den Wechsel nicht als
Karriereknick. "Für meine weitere Entwicklung war der Wechsel
nach Hoffenheim sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf die
Nationalmannschaft", sagte der 27-Jährige, der am Donnerstag
gemeinsam mit seinem Landsmann Ryan Babel offiziell vorgestellt
wurde.
Scheitert die Ba-Ausleihe?
Indes verzögert sich das Ausleihgeschäft von Demba Ba zum
Premier-League-Club West Ham United wegen Versicherungsfragen.
Laut "kicker" wollen die Londoner den Angreifer nicht gegen
Invalidität versichern. Die Kosten sollen für ein halbes Jahr
bei rund einer Million Pfund (1,16 Millionen Euro) liegen. Der
Wechsel von Ba zu Stoke City scheiterte, weil der Senegalese den
Medizincheck nicht bestanden hatte.
Cottbus-Coach stänkert
Bei Cottbus wurde derweil der Jubel durch eine erneute Kritik
von Trainer Claus-Dieter Wollitz an den Fans getrübt. "In jeder
anderen Stadt ist so ein Spiel ausverkauft. Und zwar nicht einen
Tag vor dem Spiel, sondern einen Tag nach der Auslosung",
polterte Wollitz. Nur 15.200 Zuschauer hatten sich im Stadion
der Freundschaft eingefunden, etwa 7000 Plätze blieben
unbesetzt.
Wollitz vermisst Fan-Zuspruch
Wollitz verstand die Welt nicht mehr und dozierte noch weit über
eine Stunde nach dem Abpfiff: "Ich kenne es so, dass Stadien
ausverkauft sind, wenn man erfolgreich ist und eine hohe
Identifikation mit dem Verein herrscht." Wollitz hatte sich in
den vergangenen Monaten nach Ausschreitungen Cottbuser Anhänger
bei Auswärtsspielen mehrfach heftig mit den eigenen Fans
angelegt und deswegen lange mit einer Vertragsverlängerung in
der Lausitz gezögert. |