Mittwoch, 26. Januar 2011

1899: Hopp kündigt Rückzug an
Hoffenheims Mäzen will, dass 1899 bald auf eigenen Beinen steht. Er moniert Anfängerfehler. Das Aus im Pokal macht die Lage nicht leichter.

Quelle: www.sport1.de -
Von Nikolai Kube


Dietmar Hopps Vermögen wird auf mehr als vier Milliarden Euro geschätzt

Hoffenheim. Stadionbesuche wurden für Dietmar Hopp in der Vergangenheit regelmäßig zum Spießrutenlauf. Immer wieder beschimpften Fans der gegnerischen Teams Hoffenheims Mäzen - meist mit Schmährufen jenseits der Gürtellinie. Hopp kaufe wahllos teure Spieler ein, Wettbewerbsverzerrung sei die Folge. So klang meist seriöser formulierte Kritik. Doch bei Hoffenheims Mäzen hat ein Umdenken stattgefunden.

Kein Geld mehr ab 2014
Hopp plant, sein Geld nur noch bis 2014 für die Kraichgauer auszugeben. "Mein Ziel ist es, noch drei Spielzeiten finanziell zu helfen", sagte der Milliardär der "Sport Bild". Hopp weiter: "Ab 2014/15 denke ich, dass wir im Sinne der neuen Financial-Fair-Play-Regelung nahe null sind. Im operativen Geschäft wird der Verein dann auf eigenen Beinen stehen." Financial-Fair-Play? Eine neue Regelung der UEFA, die dafür sorgen soll, dass die europäischen Klubs aus der Schuldenspirale herausgeführt werden. So müssen die Vereine einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Die Ausgaben dürfen die Einnahmen nicht mehr übertreffen.

Verein soll auf eigenen Beinen stehen
"Von 2011 bis 2014 darf ein Kapitalgeber maximal 45 Millionen Euro dazuschießen, um für die Saison 2014/15 die Zulassung für den Europapokal zu bekommen", sagte Hopp der "Bild". "2019 darf dann ein Kapitalgeber nur noch 1,9 Millionen Euro pro Saison dazuschießen." Der Plan des Mäzen: 1899 soll in naher Zukunft auf eigenen Beinen stehen. Hopp: "Ich werde nicht jährlich zehn oder 15 Millionen drauflegen. Der Verein muss lernen, ohne mich zu leben."

30 Millionen in den Sand gesetzt
Er moniert Anfängerfehler bei seinem Klub, die zu Fehlinvestitionen von über 30 Millionen Euro geführt hätten: "Wir haben zu viel Gehalt und Ablöse gezahlt und Verträge zu erhöhten Konditionen verlängert. Das Problem war, dass man intern wohl dachte, ich sei bereit, alles zu finanzieren", so Hopp. Vor allem die Personalkosten seien derzeit zu hoch. Die logische Folge: Der Verkauf zahlreicher Leistungsträger wie Eduardo (zu Rubin Kasan) oder Luiz Gustavo (zu den Bayern). "Wir müssen den einen oder anderen Transfer tätigen, um die Lizenz zu sichern. Es muss ein neuer Geist in Hoffenheim einkehren", fordert Hopp.

Mit Tanner auf dem richtigen Weg
Allerdings sieht der 70-Jährige seinen Verein auf einem guten Weg - dank des neuen Managers Ernst Tanner. Denn der setzt - anders als Vorgänger Jan Schindelmeiser - gezielt auf eigene Talente. "Es ist gut, dass wir jetzt einen Manager haben, der schaut: Sind wir in der Jugend gut aufgestellt?", sagte Hopp. Das "leuchtende" Vorbild sei der schwäbische Rivale VfB Stuttgart.

Oberes Tabellenmittelfeld als Ziel
Der neueste Transfer von Ryan Babel vom FC Liverpool zeigt jedoch, dass Hoffenheim auch weiter das ein oder andere Highlight auf dem Transfermarkt setzen will. Nur so können die anspruchsvollen Ambitionen der Kraichgauer verwirklicht werden. Hopp: "Unser Ziel ist nach wie vor, zwischen Platz vier und acht in der Bundesliga mitzuspielen - aber vor allem auch mit dem Ziel, in absehbarer Zeit eine schwarze Null zu schreiben."

Aus im DFB-Pokal
Das Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal hätte dem Verein finanziell durchaus gut zu Gesicht gestanden. Doch nach der Niederlage in Cottbus muss eben noch ein bisschen mehr gespart werden.

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