
Isaac Vorsah
erzielte beim Hinspiel per Kopf den 1:0-Sieg von 1899 Hoffenheim
gegen den FC St. Pauli.
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty |
Hoffenheim/Hamburg.
Wenn es bei einer von Holger
Stanislawskis Videositzungen mit der Mannschaft mal wieder etwas
länger dauert, muss das nicht an einer Häufung von zu
besprechenden Fehlern seines Teams liegen. Nach dem 2:2 gegen
den SC Freiburg vom vergangenen Wochenende hatte der Coach des
FC St. Pauli nach eigenen Angaben nur wenige Szenen ausgewählt,
und doch zog sich deren Aufarbeitung in die Länge. "Es war mir
ein Bedürfnis, den Jungs mitzuteilen, wie ich bestimmte Dinge
sehe", erklärte Stanislawski.
Zu seiner Selektion gehörten auch die beiden Gegentore, bei
denen insbesondere die Innenverteidiger Carlos Zambrano und
Ralph Gunesch keine gute Figur gemacht hatten. "Ich denke, es
war recht eindeutig für die beiden, was ich von ihnen wollte.
Insofern hoffe ich, dass sie es künftig besser machen", sagte
Stanislawski. Nicht nur ihm ist klar, dass die innere Sicherheit
gewährleistet sein muss, wenn am Sonntag (17.30 Uhr) bei 1899
Hoffenheim Punkte im Kampf um den Klassenverbleib gesammelt
werden sollen.
Neben Zambrano und Gunesch steht nach abgesessener Rotsperre und
anschließendem krankheitsbedingten Trainingsrückstand auch
Markus Thorandt wieder als Alternative für einen der beiden
Posten in der Abwehrzentrale zur Verfügung. "Ich bin wieder
komplett fit und einsatzbereit", sagte der 29-Jährige, der durch
den Ausfall von Carsten Rothenbach (Probleme mit der
Patellasehne im Knie) auch als Rechtsverteidiger infrage kommt.
"Ich kenne diese Position noch aus München und weiß, worauf es
da ankommt", erklärte Thorandt. "Grundsätzlich möchte ich aber
in der Innenverteidigung spielen." In der Hinrunde bildete er
dort mit Zambrano das Stammpersonal. Zwölfmal liefen die beiden
gemeinsam auf, absolvierten dazu noch den größten Teil der
Partie in Mönchengladbach Seite an Seite, nachdem Kapitän Fabio
Morena frühzeitig wegen einer Verletzung ausgewechselt werden
musste.
"Mit Carlos hat es sehr gut geklappt zu Beginn der Saison. Aber
wer mit wem spielt, ist letztlich Stanis Entscheidung", sagte
Thorandt. In den ersten sieben Spielen kassierte St. Pauli mit
ihm und Zambrano nur acht Gegentreffer. Am Ende verschlechterte
sich die Quote: 21 Gegentore und ein Zu-Null-Spiel standen
letztlich zu Buche, was immer noch die beste Bilanz aller
Innenverteidigerpaare des Kiezklubs bedeutet. Thorandt und
Gunesch spielten einmal zusammen und kassierten gegen Dortmund
drei Gegentore, für Zambrano und Gunesch war die Partie gegen
Freiburg die Premiere. Eine, die beim Peruaner eine schlaflose
Nacht zur Folge hatte.
Vor allem der zweite Gegentreffer - ein langer Ball der
Breisgauer war durch St. Paulis Abwehr gesegelt und anschließend
von Freiburgs Torjäger Cissé verwandelt worden - hinterließ
Spuren. Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass ein
Aussetzer in der Abwehr St. Pauli Punkte kostete. "Natürlich
sieht man in so einem Fall blöd aus", sagte Zambrano. "Man
versucht, richtig zu stehen, alles richtig zu machen. Aber
leider passieren solche Sachen, sie sind der entscheidende
Faktor in einem Spiel." Noch bringt der von Schalke 04
ausgeliehene 21-Jährige zu selten ein Spiel fehlerfrei über die
Bühne. Das Potenzial dafür hat der Nationalspieler jedoch
zweifelsohne. Er ist extrem zweikampfstark, manchmal mit einer
Tendenz zu Nickeligkeiten.
"Du musst als Verteidiger Druck aufbauen. Der Stürmer muss Angst
haben, mit dir in den Zweikampf zu gehen", erklärte Zambrano
seine Spielphilosophie. Grund sich zu fürchten werden beim
Gegner am Sonntag weder Demba Ba noch Ryan Babel haben. Während
für Ersteren im Kraichgau weiter ein Abnehmer gesucht wird,
steht von Letzterem die Zusage für einen Wechsel aus. Hoffenheim
kommt nach dem Abgang von Trainer Ralf Rangnick und
Defensivstratege Luiz Gustavo also nicht zur Ruhe. Ein Vorteil
für St. Pauli? "Nein", sagte Stanislawski. Sein Team müsse, um
in Hoffenheim zu punkten, eine herausragende Leistung abliefern.
Die Fehleranalyse gibt's dann in jedem Fall wieder mit
Videobeweis. Notfalls, drohte Stanislawski scherzhaft, auch acht
Stunden lang.
1899 Hoffenheim:
Starke - Beck, Vorsah, Compper, Ibertsberger - Alaba, Rudy,
Salihovic - Vukcevic, Mlapa - Ibisevic.
FC St. Pauli:
Kessler - Volz, Zambrano, Thorandt, Oczipka - Boll, Lehmann -
Naki, Takyi, Kruse - Asamoah. |