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1:1 Demba Ba (15. Minute), 2:1 Claudio Pizarro (16. Minute), 3:1
Diego (21. Minute)
Vor dem 2:1 dachte ich, jetzt wird es richtig schwer. Normalerweise
kennst du dieses Gefühl, wenn du gegen Bayern spielst: Der Gegner
ist immer gefährlich, du hast 90 Minuten Angst vor den Angriffen.
Die Hoffenheimer Stürmer waren so verflucht schnell, dass du
dachtest, es gibt gegen die eigentlich keine Mittel. Deswegen habe
ich es als großes Geschenk empfunden, dass Werder nach dem Ausgleich
postwendend wieder in Führung gehen konnte.
4:1 Aaron Hunt (30. Minute)
Während der 90 Minuten hatte ich nie den Eindruck, dass ich jetzt
mal durchatmen könnte. Ich bin zwar eigentlich in jedem Spiel in
einer Art Tunnel - aber bei dieser Begegnung wurde man von einer
Stresssituation in die nächste geschubst und saß da wie in einem
Fieber. Und es gab ja auch schöne Tore zu sehen, das erste von Özil
zum Beispiel war ein Traumtor. Dann ständig diese Konter und diese
Freistöße auf der anderen Seite. Bei manchem Gegner gibt es im
Publikum so ein Raunen oder eine beinahe angstvolle Stille, wenn der
am Ball ist. Sobald Ba oder wer auch immer am Ball waren und mit
Siebenmeilenstiefeln über die Mittellinie gerast sind, war sofort
eine Art Panik da.
4:2 Sejad Salihovic (36. Minute)
Das Auffälligste bei diesem Spiel im Weserstadion waren vielleicht
die Freistöße von Salihovic, die alle brandgefährlich wie Elfmeter
aufs Tor kamen. Es war egal, wo und aus welcher Entfernung
Hoffenheim einen Freistoß gekriegt hat, man hat gesehen: Bremen
hätte am liebsten vier Spieler auf die Torlinie gestellt, weil die
genau wussten, dass sie gegen diese Schüsse nichts machen können.
Ich habe noch nie in meinem Leben so eine Furcht gehabt bei
Freistößen. Salihovic hat dann ja auch getroffen an jenem Tag.
4:3 Vedad Ibisevic (Elfmeter, 61. Minute), rote Karte für Per
Mertesacker (62. Minute), 4:4 Marvin Compper (71. Minute)
Die haben erst das 3:4 gemacht, im nächsten Angriff gab es den
Platzverweis. In dem Moment, als Mertesacker vom Platz flog und die
vorher schon um zwei Tore verkürzt hatten, habe ich gesagt: Okay,
jetzt verlieren wir vermutlich noch 4:6. Mindestens.
5:4 Mesut Özil (81. Minute)
Ich habe selten ein Werder-Tor gesehen, das so aus dem Nichts kam.
Werder war angezählt und stehend K. O. gegen einen Gegner, der um
sein Leben gerannt ist und der es geschafft hat, selbst die
gegnerischen Fans zu Applaus hinzureißen. Dieses Spiel trotzdem noch
zu gewinnen - das war schon unfassbar. Ich habe selten ein Tor
verkünden dürfen, bei dem ich mehr gejubelt als durchgesagt habe.
Dass Özil vom linken Strafraumeck abzog und genau oben in den Winkel
traf, war ein Paukenschlag gegen eine Mannschaft, die viel dichter
am Sieg schien als Werder in dem Fall. Wie ein "Lucky Punch" beim
Boxen, um bei diesem Bild zu bleiben. Eigentlich war schon alles
gegen Bremen entschieden, und in dem Moment hat eine einzige Aktion
das noch mal rausgerissen. Ich erinnere mich nicht bis ins letzte
Detail, aber wie ich mich kenne, waren es danach bis zum
Schlusspfiff neun Minuten Nägelkauen und Zittern.
Endstand 5:4 für Werder Bremen
Am Lebendigsten ist mir nach dem Abpfiff in Erinnerung geblieben,
wie die Hoffenheimer Mannschaft gefeiert wurde. Als sie in den
Spielertunnel gegangen ist, der mitten in der Fankurve der Bremer
lag, hast du wirklich gemerkt, da ist wahnsinnig viel Respekt
unterwegs, da ist aber auch wahnsinnig viel Erleichterung, dass die
in unserem Stadion nichts geholt haben. Die Zuschauer haben sie mit
Standing Ovations verabschiedet, und diese jungen, tollen
Offensivspieler waren enttäuscht - aber sie haben sich mit erhobenem
Daumen bei den Werder-Fans für den fairen Applaus bedankt.
Anders als das 5:2 von Werder in München am Spieltag zuvor, wo man
einfach stolz auf die eigene Mannschaft war, und wo man gesehen hat,
dass die eigene Mannschaft eine Galavorstellung abliefert bei den
Bayern und eine der wirklich guten Mannschaften Europas auswärts
deklassieren konnte, war es bei Hoffenheim das Gesamtkunstwerk des
Spiels. Das würde ich mir auch noch mal komplett auf DVD angucken.
Es war wie ein Spielfilm. 90 Minuten Dramatik. Über die Tore hinaus
waren da 10 bis 15 Szenen, in denen man den Atem angehalten hat,
dann noch ein Platzverweis und ein Elfmeter, gegen eine Mannschaft,
die man vorher noch nie live gesehen hat, und die dann so ein Spiel
hinlegt. Es war einfach, ja - ein Spiel wie ein Gemälde."
Protokoll: Peter Seiffert |